|
Physik ist vielen Menschen ein
Grauen oder zumindest ein Buch mit sieben Siegeln. Physik ist aber in
Wirklichkeit eine schöne Wissenschaft, die jedermann zugänglich ist. Wer
Physik als schwer und unverständlich empfindet, sagt nur aus, dass er einen
schlechten Physiklehrer hatte. Ich hatte zum Glück einen sehr guten Physiklehrer, Wolfgang Stoob, der mein Interesse schon in meiner Pubertät zu
wecken wusste.
Innerhalb der Physik gibt es
verschiedene Ausrichtungen. Ich bin ein typischer Experimental-Physiker.
Experimente sind für mich wie Spiele, bei denen man lernen kann.
Nach erster Qual im Studium (meine
mathematischen Vorkenntnisse waren außerordentlich gering, weil ich ein
Wirtschafts-Abitur gemacht habe), ist im Hauptstudium dann endlich
physikalisches Denken auch in mein Hirn eingezogen. Dabei haben mich die
Quantenmechanik und deren Erscheinung, insbesondere in Verbindung mit
Laser-Spektroskopie, sehr beeindruckt.
Weite Bereiche anderer
Wissenschaften, wie zum Beispiel Chemie, Zell-Biologie und Medizin verwenden
physikalische Beschreibungsformen. Eine Zelle ist so zum Beispiel
darstellbar als Kugelkondensator, der Löcher hat und durch diese Löcher
hindurch Ladungsaustausch zulässt. Schon hat man ein physikalisches Modell,
mit dessen Hilfe man Stoffwechsel-Phänomene beschreiben kann. Wenn ein
Mediziner ein künstliches Herz entwickelt, muss er viele physikalische
Bedingungen und Gesetzmäßigkeiten in seine Arbeit einfließen lassen, wie zum
Beispiel Resonanzfrequenzen der Mechaniken und Strömungsphysik für das Blut.
Und wenn man haushälterische Tätigkeiten zu erledigen hat, dann gibt es
ebenfalls viele physikalische Gesetzmäßigkeiten zu beachten, sonst ist das
Ei, das man wie gewohnt 5 Minuten kocht, in den Alpen wenig genießbar. Als
weitere Schlagworte seien nur Dampfdrucktopf und Thermoskanne genannt.
Physik ist also überall.
Nach kurzer aber heftiger Begegnung
mit wissenschaftlicher Forschung in der Experimental-Physik bin ich dann
aber schnell in die Realität des Bruttosozialprodukt-Machens gegangen, weil
mein damals noch kleiner Sohn Julian bereits vor meinem Diplom nach
entsprechender finanzieller Ausstattung rief.
Während meiner Berufstätigkeit bei
einem Widerstandshersteller hatte ich dann die Gelegenheit im Rahmen eines
Forschungsprojektes an der TU Braunschweig zum Dr.-Ing. zu promovieren. Ich
kenne also die reine Wissenschaft ebenso wie die Ingenieurswissenschaft.
Schon immer haben mich aber
anwendungsorientierte Aufgaben wesentlich mehr interessiert als reine
Physik.
|